Um mit Bitcoins zu zahlen, muss man die Kryptotechnologie nicht verstehen

22. November 2018

Am diesjährigen Martini-Symposium ging es darum, ob Bitcoin & Co. als Zahlungsmittel taugen. Die Frage ist laut Experten nicht so einfach zu beantworten.

Das Thema wirkte wie bestellt: «Kryptowährungen – Geld der Zukunft oder Zukunft ohne Geld? Wie die Technologie hinter den Kryptowährungen die Welt verändern kann.» Darüber diskutierten am Donnerstagabend am Martini-Symposium Vertreter der Kryptobranche, Unternehmer und Experten aus anderen Feldern. Und so eröffnete der Surseer Stadtpräsident Beat Leu den Anlass im örtlichen Businesspark mit der Aktualität: dem Wertzerfall zahlreicher Kryptowährungen in den letzten Wochen. Wer in diesen Tagen bei Google «Bitcoin» eingebe, der finde weniger schöne Artikel.

In der Tat: Von einem «Blutbad» wird da beispielsweise berichtet. Der Kurs vieler grosser ­Digitaldevisen, allen voran der bekanntesten, Bitcoin, brach seit Anfang Monat regelrecht ein (siehe Grafik unten). Doch auch andere Währungen wie Ethereum oder Ripple verloren massiv an Wert. Es sei also genau der richtige Zeitpunkt, um zusammenzukommen und sich über das Thema auszutauschen, sagte Leu.

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Als erster Referent zeigte Andreas Dietrich, Dozent und Leiter des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern, ein interessantes Verhältnis auf: Die Marktkapitalisierung aller 2100 Kryptowährungen weltweit liege bei rund 150 Milliarden US-Dollar (vor einer Woche waren es noch über 200 Milliarden). Über die Hälfte dieses Werts mache Bitcoin aus. 150 Milliarden töne nach viel, doch im Vergleich sei dies eine bescheidene Zahl: Der wertvollste Konzern derzeit – Apple – beispielsweise sei rund 800 Milliarden Dollar wert. Aber auch der Gesamtwert anderer Anlagen, etwa von Gold, liege deutlich über den zusammengefassten Kryptowährungen. Was Dietrich damit sagen wollte: Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen. Die Frage sei, ob Kryptowährungen als Währungen im eigentlichen Sinne taugten.

Am Beispiel von Bitcoin zeigte Dietrich einige Probleme auf. Das zentrale Merkmal einer Währung sei die Eignung als Zahlungsmittel. Und in der Schweiz gebe es hier ein Manko: Man kann erst an sehr wenigen Orten mit Bitcoin zahlen, da liege auch das Problem der enormen Schwankungen: «Wenn es wenige Stellen gibt, die eine Währung akzeptieren, kann sich diese nicht durchsetzen und bleibt volatil», so Dietrich. Und weil sie so grosse Schwankungen habe, blieben viele skeptisch. «Das ist ein Huhn-Ei-Problem, das wir hier haben.» Auch wenig spannend sei das Thema Bitcoin in der Schweiz wegen der nicht vorhandenen Inflation. «Doch in afrikanischen Ländern oder in Südamerika ist der Bitcoin mit seiner inneren Begrenzung auf 21 Millionen Stück durchaus eine potenzielle Alternative», so Dietrichs Fazit.

 

Artikel auf tagblatt.ch vom 22.11.2018: https://www.tagblatt.ch/wirtschaft/kryptowahrungen-im-fokus-ld.1072397

Artikel auf luzernerzeitung vom 22.11.2018: https://www.luzernerzeitung.ch/wirtschaft/kryptowahrungen-im-fokus-ld.1072397

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